• Die Nützlichkeit unschöner Gefühle

    Die Nützlichkeit unschöner Gefühle

    In unschönen Dingen steckt mehr Nützliches und Erhellendes, als man vielleicht gewillt ist zuzugeben, wenn man noch glaubt, diesen Dingen entkommen zu können. In ihnen steckt ein Teil des Lebens, auf den wir sonst nicht gestoßen wären. Erfahrungen halten Informationen über uns selbst und die Welt um uns herum bereit. Sie nach dem ersten Eindruck einer unvorteilhaften Gestalt zu beurteilen, beraubt uns des inneren Wertes dieser Erfahrung. Sei es eine angestrengte Unterhaltung, eine monotone Aufgabe oder eine sich erfolglos anfühlende Woche; es gibt immer Momente, über die es keinen Spaß bringt zu reflektieren. Was soll es auch bringen über sie nachzudenken? Diese Frage stellt sich, bis man jemanden trifft, dessen…

  • Zerdenken & Durchdenken

    „Zerdenken“ & Durchdenken

    Wenn das Wort „zerdenken“ die Bedeutung nicht nur ausführlicher Betrachtung, sondern eine tatsächlich zerstörerische Qualität besitzen sollte, ist es besser, die schönen Dinge des Lebens zu bedenken, zu überdenken, zu durchdenken und sie sich auf der Zunge und im Geist zergehen zu lassen ohne bei ihrer ausführlichen Betrachtung einen Angriff auf sie auszuführen. Nicht zerdacht werden sollten die positiven Dinge des Lebens, weil es allzu einfach ist, allem einen fahlen Beigeschmack anzuhaften; und sei es, dass etwas Gutlaufendes gerade weil es gut läuft nicht mehr lange gut laufen kann. Stattdessen muss man üben dem Schlechten etwas Gutes abzugewinnen, um herauszufinden, ob es möglich ist. Kein blindes Auge hilft unangenehme Empfindungen…

  • Ununterbrochenes Glück

    Ununterbrochenes Glück

    Ununterbrochenes Glücklichsein ist nicht nur dauerhaft unmöglich, es wäre auch langweilig. Ein konstanter Zustand setzt das Gleichbleiben der Verhältnisse, sei es im Inneren oder Äußeren, voraus. Ununterbrochenes Glück wäre gezwungen, monoton zu sein. Es würde sich jeden Tag aufs selbe präsentieren, ohne einer Überraschung dienen zu können. Nichts würde, nichts müsste und nichts könnte sich an seiner verlässlichen Präsenz ändern. Aufgrund seiner sicheren Verfügbarkeit und ununterbrochenen Anwesenheit würde das Glück an Wert verlieren. Es wäre nach einer Weile, wenn die Erinnerung an weniger angenehme Gefühle verblasst wäre, weder etwas außergewöhnlich Bemerkenswertes noch besonders Erstrebenswertes. Nichts muss erstrebt werden, in dessen Besitz man sich bereits befindet. Das Glück lebt durch sein…

  • Licht am Strand

    Das Glücksmessinstrument & der Lauf der Zeit

    Glück und Unglück sind Pole derselben Sache. Das Freudenniveau sinkt und steigt, weshalb wir uns manchmal glücklich und manchmal unglücklich fühlen. Je mehr ich mein Freudenniveau schätze, sei es hoch oder niedrig, desto glücklicher kann ich sein. Schätze ich das Sonnenlicht wert, weil ich nicht gewohnt bin, es häufig genießen zu können, erhellt sich meine Stimmung durch das Erkennen dieser ungewohnten Annehmlichkeit. Genauso gut kann eine gute Sache, wie Sonnenlicht im Küchenfenster, dem menschlichen Glücksmessinstrument entgehen, weil die Kleinigkeit Sonnenlicht im Küchenfenster, nicht unbedingt besonders genug ist, um registriert zu werden. Die Wahrnehmung der kleinen Freuden beschert mehr Glücklichkeit als die herzlose Vernachlässigung des vermeintlich Trivialen. Die Wertschätzung der Freude…

  • Wanderung in der Einsamkeit

    Traurige Gefühle

    Auch wenn Trauer aus keinem schönen Grund existiert und dem Charakter nach ein skrupelloser Glücksgegner ist, kann sie trotzdem, von außen betrachtet, eine schöne Emotion sein – es gibt Menschen, die schön aussehen, wenn sie traurig sind. Trauriges ist, ist nicht unbedingt hässlich. Die Traurigkeit ist klarer als viele andere Gefühle – kompromisslos, unangepasst an Konventionen und Gebräuche, und häufig benachteiligt. Wer glücklich ist, rebelliert nicht und wer die Trauer verdrängt auch nicht. Außerdem ist es doch viel schöner, glücklich zu sein als traurig. Man wird viel häufiger gefragt, ob man nicht recht glücklich sei und nicht halb so oft, und ohne dieselbe Erwartungshaltung, nach der Traurigkeit. Die meisten solcher…

  • Zufriedenheit

    Zufriedenheit

    Ein eingravierter Spruch im Nonnenkloster Chi Lin in Hongkong heißt: „Suche beim Erledigen deinen Angelegenheiten nicht den einfachen Weg. Ohne Hindernisse wirst du stolz und extravagant. Solche Gedanken beeinträchtigen alle anderen. Daher betrachtet ein heiliger Mensch die Mühe als Weg zur Freiheit.“ Ein ewig stabil bleibendes, gleiches Zufriedenheitsmaß für den Rest des Lebens würde sich jeden Tag wie den Vorherigen anfühlen lassen. Die Gefühlsantwort auf das Zufriedenheitsniveau würde uns nach kurzer Zeit kein Glück mehr bescheren, auch wenn diese Menge Zufriedenheit uns möglicherweise einst zu Glücksgefühlen verführte. Das Verhältnis eines Zustandes zu einem anderen; eine Veränderung, die eine Verbesserung eines Zustandes bewirkt – nicht eine quantifizierbare Qualität – erweckt Freude.…

  • Berge und Täler

    Berge & Täler

    Berge und Täler verstärken einander. Ohne sie wäre die Erde glatt, auf der zu wohnen zwar weniger anstrengend wäre, als sich mit Gebirgen und Schluchten abmühen zu müssen, aber da dieser Zustand auch der einzig Bekannte wäre – und daher der Normale – würde sich das Leben in Ermangelung eines Vergleichs nicht leichter als sonst anfühlen. Erst der Berg gibt der Ebene ihr bestechendes Qualitätsmerkmal der verheißenden Einfachheit. Jede Wertschätzung benötigt die Hilfe eines Maßstabs: Der Berg muss beschwerlich sein, damit die Ebene erholsam und beflügelnd sein kann. Die Wertschätzung des Wanderns in der Ebene entsteht durch das Wissen um die Anstrengung einer Bergbesteigung. Solange die Erinnerung an die Beschwerlichkeit…

  • Licht und Schatten, Sonnenuntergang

    Licht & Schatten

    „Sowohl Licht als auch Schatten sind der Tanz der Liebe“ – Rumi, Mystiker (1207–1273) So wie Berge und Täler einander definieren, benötigen sich auch Dunkelheit und Licht. Die Dunkelheit wirkt nur unheimlich, wenn der Blick ins Licht die umgebende Dunkelheit düsterer erscheinen lässt, als sie ohne das Verhältnis erscheinen würde. Aus dem beleuchteten Haus sieht die Nacht viel schwärzer aus als draußen auf dem Feld oder inmitten einer Waldlichtung, wo Mond und Sterne den Pfad beleuchten. Nur weil die Sonne heller leuchtet als der Mond, ist die Nacht nicht zwangsläufig dunkel. Die Nacht bringt ihre eigene Leuchtkraft mit sich; ziert sich der Mond, erscheinen die Sterne umso heller. Je länger…

  • Erschreckende Spinne

    Erfahrungen

    Erfahrungen haben keine ihnen intrinsische Bedeutung – „sie sind, was sie sind“ – ihre Bedeutung erhalten sie durch unsere an sie vergebenen Interpretationen und Erklärungen für ihre Existenz. Der Wert, den wir Erlebnissen verleihen, bestimmt, wozu ihr Eigenleben wird. Die Erinnerung unserer Erfahrungen und der damit verbundene erdachte Sinn unserer Erlebnisse macht uns zu der Person, für die wir uns halten und wie die wir uns verhalten – oder denken, uns verhalten zu müssen. Die Lesart entscheidet über Interpretation und Bedeutung der Vergangenheit. Dabei steht die Wahl zwischen einer Sichtweise, die Verbindung mit der Welt – durch das Verständnis von Schmerz – schafft, und einer, die die Abkehr von der…

  • Reise. Abstraktes Bild.

    Gefühle malen – Spannung loslassen

    Gefühle in Bildern auszudrücken, kann helfen Spannung aus dem Körper zu entlassen, die in Form von Gefühlen in uns gespeichert ist. Egal, wie das Bild am Ende aussieht, lässt der Prozess einen leichter werden. Etwas kann freigelassen werden, ohne sich der überbordenden Gefühle im Ganzen zu entledigen. Das verarbeitete Gefühl wird weniger erdrückend; im Nachhinein ist es nicht mehr beschwerend, aber in ausgelagerter Form und Farbe weiter vorhanden. Der Überintensität des Gefühls wird Ausdruck verliehen; statt den Versuch zu unternehmen sie zu bekämpfen oder zu verjagen, kann sie auf Papier existieren. Manchmal gewinnen früher blöd empfundene Bilder mit der Zeit mehr subjektive Schönheit, weil sie die Erinnerung an etwas nicht…

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