Meine Geschichte

Was passierte mit meinen Bauchschmerzen nach einer Eierstockentzündung?

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Keinem kommt ein Urteil zu. Jeder kennt nur das Ausmaß des eigenen Leidens oder die Sinnlosigkeit des eigenen Lebens.

Veronika beschließt zu sterben – Paulo Coelho

 

 

Hi du,

in diesem Post erzähle ich, wie ich zu meinen „rätselhaften“ Muskelschmerzen kam, die mein Leben bis heute beeinflussen. Alles begann mit starken Unterleibsschmerzen und einer Eierstockentzündung. Merkwürdigerweise verflüchtigten sich die krampfartigen Bauchschmerzen nicht als die Eierstockentzündung abklang und so blieben sie mir eine Weile erhalten.

 

Januar 2015

 

Am siebten Januar 2015 befand ich mich auf einem Langstreckenflug von Auckland nach Hamburg. Viel längere Flüge gibt es, glaube ich, nicht, außer man fliegt auf eine kleine Insel im Pazifik. Während des Fluges fühlte ich mich schon nicht wohl, aber ich fliege auch nicht besonders gerne. Die Getränke wurden in mehreren Runden in kleinen Bechern verteilt und meine Wasserflasche war schnell ausgetrunken. So war ich ziemlich dehydriert.

 

Über die nächsten Tage plagten mich Bauchschmerzen, von denen ich nicht dachte, dass sie etwas Ernsthaftes bedeuten würden. Ich hatte mit dem Gedanken gespielt, nach der Landung direkt zur Arbeit zu gehen, den Gedanken jedoch Gott sei Dank wieder verworfen. Also erholte ich mich einen Nachmittag lang zuhause und stiefelte die nächsten zwei Tage zur Uni.

 

In der U-Bahn hatte ich schmerzhafte Bauchkrämpfe. Zum Teil saß ich zusammengekrümmt da und wartete, dass sie bald vorbei gehen würden. Es ging mir nicht gut und am Wochenende bemerkte ich, dass dies nur die Vorboten des Schmerzes gewesen waren. Statt besser zu werden, wurden sie jetzt eher schlimmer.

 

 

 

 

Am Sonntag hatte ich das Bauchweh schon fünf Tage. Das kam mir nicht normal vor. Ich fürchtete, die Bauchschmerzen wären dadurch entstanden, dass ich die Pille durchgenommen hatte. Es gab dieses Gerücht unter Mädels, man bekäme davon starke Bauchschmerzen. Gleichzeitig soll es ja eigentlich unbedenklich sein. Der untersuchende Arzt sagte mir Montagfrüh dieses Gerücht sei Blödsinn und solch Schmerzen könnten durch das Durchnehmen der Pille nicht verursacht werden.

 

Ich erinnere mich, samstags eine gute Freundin am anderen Ende der Stadt besucht zu haben. Der Schienenersatzverkehr holperte quälend langsam voran und ich spürte jedes Schlagloch in meinen Bauch fahren. Es war kaum auszuhalten und kaum angekommen, brach ich bei meiner Freundin in Tränen aus. Es war zu schlimm, um es auszuhalten. Sie kochte mir einen Tee und versuchte mich zu beruhigen.Der Sonntag ist in meiner Erinnerung verschwommen. Wahrscheinlich lag ich im Bett und wartete, dass es besser würde. Nachts wurde der Schmerz so groß, dass ich eine medizinische Beratungsnummer anrief. Die Schwester sagte, sie könnte die Situation nicht beurteilen. Ich hatte meinen damaligen Freund in Neuseeland am Telefon, der nichts tun konnte und mein Bruder sagte, es wäre das Beste ins Krankenhaus zu fahren. Es war noch Stunden bevor ein Arzt öffnen, geschweige denn Zeit haben würde. Also fuhr ich in Pyjamahosen mit dem Taxi in das nächstgelegene Krankenhaus. Der Weg vom Parkplatz zum Eingang erschien ewig. Das Gehen wurde zunehmend schmerzhafter. Ich saß in einem kleinen Wartezimmer mit relativ vielen Menschen für die Uhrzeit. Es dauerte so lange, dass ich mich irgendwann zur Rezeption schleppte, meinen Oberkörper weit vorgebeugt, die Schritte langsam. Das Personal beäugte mich merkwürdig und versicherte mir, ich sei nicht vergessen worden.

 

 

 

 

Die Symptome einer Eierstockentzündung

 

Mein Entzündungswert im Blut wurde gemessen. Er war sehr hoch. Schließlich durfte ich einen Arzt sehen. Die Flure erschienen unendlich lang. Ich war unsicher, wo ich hinmusste. Der Arzt saß in einem anderen Stockwerk. Endlich erreichte ich sein Zimmer. Die Gänge waren groß und leer. Jemand sagte, ich solle auf einem Stuhl im Gang warten. Dann durfte ich zum Arzt.

 

Mittlerweile war es Tag geworden. Ich schilderte das Problem. Es hatte nichts mit der Pille zu tun. Ich musste mich ausziehen und auf einen gynäkologischen Stuhl setzen. Die Schwestern in der Notaufnahme hatten einen Verdacht auf Eierstockentzündung geäußert. Sie erklärten mir, solche Schmerzen im Bauch könnten vom Blinddarm, vom Darm oder – besonders bei Frauen meines Alters – von den Eierstöcken herkommen. Da mein Blinddarm, als ich sechs war, entfernt wurde und mein Stuhl in Ordnung war, blieb nur die Eierstockentzündung.

 

Der Arzt nahm ein Ultraschallgerät, das wie ein Stab aussah, streifte ein Kondom darüber und steckte es in mich hinein. Während er so in mir herumfuhrwerkte, fragte er mich wieviel ich wiegen würde. Ich antwortete, ich wüsste es nicht genau, vielleicht 55 kg oder so. Da ich mich fast niemals wiege, fand ich diese Frage höchst irrelevant. Er grunzte oder brummte, dass das ja nicht sehr viel sei und genauso rasch wie es begonnen hatte, fand das Gespräch ein Ende.

 

Der Arzt gab mir ein Breitbandantibiotikum und Schmerzmittel. Diagnose Eierstockentzündung. Ich solle einen Termin bei meiner Frauenärztin machen. Wutentbrannt war ich auf diesen Mann. Absolut unfreundlich löcherte er mich wegen meines Gewichts – wo ihm selbst ein bisschen körperliche Betätigung nicht schlecht getan hätte – und verlor kein Sterbenswörtchen der Empathie über meine Schmerzen.

 

 

Auskurieren? Fehlanzeige.

 

Ungünstigerweise war ich überzeugt noch am selben Nachmittag an zwei klausurrelevanten und anwesenheitspflichtigen Übungen von der Uni teilzunehmen. Das Krankenhaus konnte mir keine Krankschreibung ausstellen und so hatte ich die Möglichkeit entweder zu meiner Ärztin zu fahren, um mir von ihr die Krankschreibung ausstellen zu lassen oder einfach zu den Übungen selbst zu fahren. Die Klausurenphase nahte und ich hatte wegen meines Urlaubs zwei Wochen Uni verpasst. Ich hatte ja nun nicht geplant krank zu werden. Außerdem hatte ich merkwürdigerweise nicht den Eindruck, dass die Eierstockentzündung etwas besonders Schlimmes war. Es tat nur einfach höllisch weh!

 

So ging ich in meiner Pyjamahose zur Übungsstunde und erntete einen amüsierten Blick von meinem Professor. ? ? Man kann wohl nicht sagen, dass ich das Prinzip der Schonung gut verstanden hatte. Am nächsten Tag um neun stand ich bei meiner Frauenärztin auf der Matte. Ein paar Tage später stellte sich heraus, dass ich das falsche Antibiotikum nahm. Das Breitbandantibiotikum hatte keinen Effekt auf die Bakterien, die mich ärgerten. Also wurde ich umgestellt.

 

Wenn ich jetzt in meinen alten Kalender schaue, kann ich kaum glauben wie voll der Januar mit Terminen war. Unter anderem hatte ich ziemlich Zeitdruck mit meinen Fahrstunden fertig zu werden. Bei der Arbeit räumte ich räumte ich einige schwere Dinge hin und her und da ich mich schon während meines Urlaubs vertreten lassen hatte, wollte ich nicht absagen. Es ging schließlich um die Öffnungszeiten im Museum und jemand musste vor Ort sein.

 

Als die Schmerzen etwas abklangen, bekam ich eine Blasenentzündung. Um nicht wieder Antibiotika nehmen zu müssen, saß ich den ganzen Tag zuhause neben der Teekanne. Ich trank so viel, dass ich gar keinen Platz für Essen mehr hatte!

 

Die Unterleibsschmerzen sind zurück

 

Gegen Ende Januar lagen fast alle Klausuren hinter mir und tatsächlich brauchte ich mehrere Tage keine Schmerzmittel nehmen, auch wenn ich nicht topfit war. Einmal ging es mir so gut, dass ich abends voller Eifer das Bad putzte. Am nächsten Morgen waren die Bauchkrämpfe wieder da. Es war der 29. Januar. Genau ein Pillenzyklus nachdem ich die Pille begonnen hatte „durchzunehmen“. Das war mir sehr suspekt. Die Bauchkrämpfe weckten mich, wie an dem Tag als ich ins Krankenhaus gefahren war, gegen vier Uhr morgens. Es war genau das Gleiche. Ich dachte, ich muss sofort zu meiner Ärztin und ihr erzählen, dass ich wieder eine Eierstockentzündung habe. Sie ist zurückgekommen!

 

 

 

Da wo ich hinzeigte, das Epizentrum des Schmerzes, lag weit über den Eierstöcken. Meine Gynäkologin war regelrecht sauer auf mich. Da oben könne ich gar keine Eierstockentzündung haben, die Eierstocke säßen ganz woanders. Alles was ich sagen wollte, war, dass ich die gleichen Schmerzen hatte wie vorher. In den anschließenden Terminen machte sie einmal ein Zugeständnis und sagte man könne sehen, dass ich Schmerzen habe.

 

Jedes Mal, wenn ich zu ihr fuhr, nahm ich die Bahn, obwohl es nur eine Station war. Fahrradfahren war schlimmer als Gehen. Ich trug einen langen Mantel, um halbwegs warm zu bleiben, und ging noch immer vorgebeugt. Jeder Schritt tat im Bauch weh. Man merkt erst, wie sehr man seine Bauchmuskulatur beim Gehen nutzt, wenn sie nicht mehr reibungslos läuft!

 

Mama ist wieder da!

 

Einen Tag später kam Mama wieder. Sie hatte für mehrere Monate in Amerika geweilt. Das war eine große Erleichterung! Jetzt konnte ich krank sein und es war jemand da, die sich um mich kümmern konnte. Ich musste nicht mehr einkaufen gehen und all die anderen Dinge im Haushalt machen. Stattdessen legte ich mich einfach ins Bett. Normalerweise hätte ich sie vom Flughafen abgeholt und es tat mir ein bisschen leid, dass ich jetzt so nutzlos im Bett lag. Außerdem setzte ich die Pille ab, weil ich kein gutes Gefühl mehr mit ihr hatte.

 

Zum Glück hatte ich in den letzten Wochen häufig bei der Familie meines Onkels zu Abend gegessen, sodass ich nicht immer kochen musste. Mama bemerkte gerührt, wie er sich um mich kümmerte und mir immer eine Decke brachte, damit ich mich nicht verkühlte.

 

Mami pflegte mich und fing erstmal an zu putzen. Das Haus sah schlimm bei ihrer Ankunft aus. Überall lag Staub und es herrschte Chaos. Es war wirklich nicht schön aber ich war nicht dagegen angekommen. Ich ließ es jetzt einfach so sein. Ich konnte einfach nicht mehr. Mittlerweile hatte der Schmerz sich auf die Seite und Rückseite meines Beckens ausgebreitet – wie ein feines, unregelmäßiges Netz lokaler Hotspots, durch das Strom lief. Wie Mini-Stromschläge. Es war ein nervenaufreibender, „zum-an-die-Decke-gehen“-der Schmerz, der nicht so war wie ich mir Schmerzen vorstelle und mich penetrant bis ins kommende Wintersemester begleitete. Dieses Gefühl brachte mich häufig zum Weinen.

 

Einer der ersten Dinge, die Mami machte, war mir eine Behandlung zu geben. Ich weiß nicht was ich ohne sie gemacht hätte. Es hat ja nicht jeder eine Rolferin bei sich zuhause! Durch sie konnte ich im Februar endlich die Schmerzmittel absetzen, die ich, wie nach der Uhr gestellt, regelmäßig einnehmen musste, um den Schmerzzustand zu ertragen.  Die Geschichte geht weiter in dem nächsten Blog Post.

 

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Bitte hinterlasse mir einen Kommentar, wenn du auch schonmal in einer ähnlichen Situation gewesen bist und erzähle mir, wie du damit umgegangen bist. Ich freue mich darauf deine Geschichte zu hören!

♥  Wenn dir der Post gefallen hat, teile ihn gerne mit deiner Familie und Freunden 

 

Alles Liebe und bis bald!

Unterschrift: Hannah

 

Photographie von Larry Tofler

2 Kommentare

  • eva

    hallo meine Liebe,

    ich bin zufällig auf deine Seite gestoßen und was du schreibst erlebe ich gerade auch und bin ziemlich verzweifelt.
    ich hatte zum wiederholten Male eine Eierstock entzündung die 10 Tage.mit Antibiotika therapiert wurde. aber die schmerzen sind nie weggegangen. die Blutwerte sind ok, Ultraschall okay, die schmerzen sind da. der Bauch ist sehr druckempfindlich vor allem auf der rechten Seite in der Leistengegend und im Bereich der Blase. keine socke nimmt einen ernst und ich kann mich nur schleppend bewegen und habe keine Kraft. aber die Ärzte sagen da wäre nichts.
    ich bin gespannt was du schreibst was bei dir die Ursache war und was dir geholfen hat. ich hab mich für deinen Newsletter angemeldet und hoffe auf Hilfe darin.
    ganz liebe Grüße Eva

    • Hannah

      Hallo liebe Eva,

      das tut mir so Leid zu hören! Es ist wirklich kein schönes Erlebnis!
      Ich schreibe dir morgen eine persönliche Email!
      Bis dahin, erstmal „entspannen“ so gut es geht. Das bedeutet, mach dir keinen Kopf. Das bringt jetzt nicht. Gebe deinem Körper Ruhe, auch wenn das heißt, dass du gar nichts machen kannst.
      Ein Tipp: rekrutiere alle deine Lieben um dich herum und bitte sie um Hilfe, damit du dich nicht mit unnötigen Dingen überforderst! In deiner Situation solltest du dir nicht einmal einen Tee selbst kochen müssen!
      Ich schreibe dir morgen per Mail 🙂

      Alles Liebe und gute Besserung,
      deine Hannah
      P.S. Bei Krämpfen, wenn es geht, dem Bauch Raum geben und den Körper lang machen –> ausgestreckt auf dem Rücken liegen statt in einen Ball knüllen! (Damit die Muskeln nicht verkürzen, besonders weil du schon länger damit zu tun hast!)

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